background

Britisch

Die Geschichte meines Land Rovers
Nicht wenige Landyliebhaber wurden wohl über die Fernsehserie Daktari mit dem "Landy-Virus" infiziert. In meinem Fall stimmt dies nicht, da ich nie Daktari geschaut habe (aus mir unerfindlichen Gründen). Fakt ist: schon mein Vater hat einen starken Hang zu fahrendem Altmetall. Nicht nur fahrendes Altmetall sondern auch fliegendes. Das heißt, dass wir früher auf so gut wie jeder Airshow, die Rang und Namen hatte, zugange waren. Besonders angetan hatten es mir damals die alten Flieger aus Kriegszeiten. Nicht, weil sie im Krieg benutzt wurden, sondern weil sie auf so verdammt schöne Art und Weise saumäßig laut waren. Mir gefielen einfach diese Formen, das alte Design, das zwar zweckorientiert war, aber nichtsdestotrotz einen gewissen Charme ausstrahlte. Auf dem ein oder anderen Urlaub in Spanien sah ich wieder etwas, das zweckmäßig war und doch irgendwie verdammt gut aussah. Dort gab es damals noch massig alte Land Rover Santana.

Spanischer Santana

Wir machten in den Spanischen Pyrenäen ein paar Ausflüge ins Gebirge, unter anderem eine Tour in den Nationalpark Sant Maurici. Die Tour war aber zu groß um alles zu laufen und so beschlossen wir, mit dem Geländewagen für Touristen ein Stück abzukürzen. Es stellte sich heraus, dass die Geländewagen alles Land Rover waren. - Aha - also die erste Fahrt in so einer alten Möhre! Mein Bruder Alexander war damals schon etwas länger mit dem Virus infiziert und fest entschlossen, so einen alten Land Rover zu kaufen. Da die Fahrer mit den Landys bestens bekannt waren, fragt er also nach, wie es so um die Technik eines solchen Land Rovers bestellt sei. Der Fahrer glotze ihn nur mit riesigen Augen an und lachte mit den Worten: „Was?! Du willst dir im Ernst so einen alten unbequemen Wagen kaufen?! Die Federung ist der Horror und es gibt immer etwas zu reparieren. Kauf dir lieber einen Toyota!“. So oder so ähnlich lautete die Formulierung. Unsere Eltern waren zufrieden, da sie dachten dieses Hirngespinst hat sich damit erledigt - zumindest dachten sie dies….

Stolzer Besitzer

Es dauerte nicht lange und mein Bruder war stolzer Besitzer eines Land Rover SANTANA mit 6 Zylinder Diesel, der nun hinten auf dem Hof stand. Ich war natürlich neugierig! Was mir allerdings nicht so ganz gefiel, war die gerade Front, die aussah wie die vom Defender. Naja, Schwamm drüber. Wir fingen an, am Fahrzeug herumzubasteln. Über kurz oder lang schraubten wir den Santana einmal komplett auseinander und wieder zusammen. Das sah nachher doch ganz annehmbar aus und in mir wurde der Gedanke wach einen eigenen Land Rover zu besitzen.
Das Know-how war ja mittlerweile etwas besser geworden und auch meine finanziellen Möglichkeiten stiegen dank Nebenjob. In der Schule wurde ich wegen solcher Unterfangen eher belächelt und als "Pampamensch" abgetan. Es dachte wohl keiner so richtig daran, dass ich damit Ernst machen würde. Ich war allerdings drauf und dran das gesamte Internet nach einem Landy abzusuchen. Es gab viele Angebote und der erste, der es beinahe geworden wäre, stand nahe der Grenze zu Schottland. Im Nachhinein war ich dämlich, den Wagen nicht gekauft zu haben, da dieser wirklich richtig gut lief. Was allerdings nicht so gut passte, war der Leiterrahmen. Dieser war auf englische Art und Weise ziemlich arg geflickt worden und ich war mir damals sicher, dass der deutsche TÜV diesen Wagen nicht abgenommen hätte. Ich kaufte ihn also nicht und fand meinen Land Rover nach einigen Wirrungen stattdessen in Aachen. Nicht gerade der nächste Weg - die Fotos, die mir der Verkäufer schickte zeigten aber klar und deutlich, dass der Rahmen dieses Wagens in exzellentem Zustand war. Kein einziger Schweißpunkt und der Wagen stand lange Zeit in einer beheizten Garage. Ich hoffte darauf, dass der Rest ebenso gut beieinander war. In diesem Punkt lag ich aber leider daneben. Ich wusste zwar, wie man einen Land Rover komplett zerlegt, aber eben nicht, wie man einen Motor repariert. Und leider war genau dieser ziemlich im Eimer. Das stellte sich erst später heraus, der Rest an dem Wagen hatte mich allerdings überzeugt und so habe ich ihn gekauft. Die Heimfahrt war das reinste Abenteuer. Die Bremsen waren, na ja, sagen wir nicht ganz so satt wie man sich das wünscht. Das Lenkrad hatte ordentlich Spiel, aber die erste Fahrt verlief recht problemlos (komischerweise). Ich brachte den Wagen nach Hause, stellte ihn in die Einfahrt und freute mich auf die gemeinsamen Touren. Ich bin zwar immer noch daran, dem Landy seine Flausen auszutreiben, aber jedes mal, wenn ich mich in ein modernes Auto setze, frage ich mich wieder, wo denn hier dieser Charme aus damaligen Zeiten hin ist.


Oliver Elsässer
Seite 1 von 2   |  1  2  |   >>